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Bahnhofsplatz – die neue Mitte von Kall

Der Masterplan des Integrierten Handlungskonzepts (InHK) für Kall ist Grundlage für die Städtebauförderung und beschreibt den konzeptionellen Zusammenhang aller geplanten Projekte und Maßnahmen zur Revitalisierung und Erneuerung des Ortskerns. Dieser Masterplan wurde durch das Büro Raumplan Aachen gemeinsam mit den Bürgern der Gemeinde in Bürgerwerkstätten erarbeitet. Ziel ist die Umsetzung von Schlüsselprojekten mit Vorbildcharakter, Ausstrahlung und Anstoßwirkung.

Das Zentrum des Zentralortes Kall ist die Bahnhofstraße zwischen Aachener Straße im Norden und Einmündung Hindenburgstraße im Süden. Mit dem Rathaus, dem Bahnhof und Bahnhofsplatz, der alten Post und einer Vielzahl von Wohn- und Geschäftshäusern sowie dem REWE-Markt verfügt der Bereich sowohl über funktionsfähige wie auch nicht mehr funktionsfähige zentrale Nutzungsangebote. Die zentralen öffentlichen Räume sind erneuerungsbedürftig. Für eine nachhaltige Verbesserung ist die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Der Bahnhofsplatz war von großflächig asphaltierten Verkehrsflächen und einem Höhenunterschied von 3,0 m zwischen Bahnhofstraße und Bahnhofsgebäude geprägt. Diese Fläche in zentraler Lage soll als attraktiver Platz umgestaltet werden und so als ‚Neue Mitte‘ von Kall und ‚Willkommenstor‘ für Bahnreisende fungieren.

Die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes ist eingebunden in die Gesamtgestaltung der Bahnhofstraße. Der Platz wird mit den gleichen Materialien wie die Nebenanlagen der Bahnhofstraße gestaltet und durch eine kontrastierende Bänderung gegliedert. Der Ausbau der Bahnhofstraße als Teilbereich der Landstraße L 105 erfolgt im Vollausbau. Der neue Platz liegt auf dem Niveau der Bahnhofstraße und überquert diese gestalterisch. Dadurch wird der Verkehr beruhigt und der Platz optisch vergrößert.

Zur Überbrückung des Höhenunterschieds zwischen der Bahnhofstraße und dem Bahnhof wurde eine große und auffallend freie Treppenanlage errichtet, welche durch Podestflächen im Zusammenhang mit dem Platz selbst nach Fertigstellung multifunktional genutzt werden kann. Der Bahnhofsplatz wird zu einem zentralen, verkehrsfreien und attraktiven Ort bzw. die ‚Neue Mitte‘ von Kall mit hoher Nutzungsfrequenz als Bahnhofsplatz, Marktplatz und Veranstaltungsort. Bäume und eine moderne Beleuchtung vervollständigen die Neugestaltung. Der barrierefreie Zugang zum Bahnhof ist wie bisher über die Zufahrt zwischen Rathaus und Bahnhofsplatz gewährleistet.

Rechts und links des Bahnhofsplatzes wird der Platz städtebaulich durch noch zu errichtende attraktive Immobilien eingerahmt. Ein neues, interessantes Angebot mit Gastronomie, Einzelhandel, Wohnen usw. soll entstehen.

Die PE Becker GmbH war in der Planungsphase für den technischen Teil zuständig. Gemeinsam mit dem Büro Raumplan aus Aachen, das die gestalterische Planung des Platzes erarbeitet hat, wurden die Arbeiten zur Erstellung der Platzfläche samt Treppenanlage sowie zur Erstellung der Entwässerungsanlagen und -einrichtungen, die im Zusammenhang mit der Errichtung erforderlich wurden, die Erdarbeiten für Anpassungsarbeiten an Versorgungsleitungen, die Ausstattungsgegenstände wie Bänke, Buswartehäuschen etc. sowie die Beleuchtung, die Aufzugsanlage und die M+E-Technik der Brunnenanlage in der Planung berücksichtigt. Die Aufrechterhaltung des Verkehrs auf der Fahrbahn während der gesamten Baumaßnahme wurde durch zwei Bauabschnitte sichergestellt.

Die Entwässerungssituation des Bahnhofsgebäudes wurde sortiert und neu gegliedert. Die neu zu verlegenden Schmutz- und Niederschlagswasserleitungen wurden an die bestehende Kanalisation im Bereich der Bahnhofstraße angeschlossen. Die Niederschlagsentwässerung des Vorplatzes erfolgt über Entwässerungsrinnen mit innenliegendem Gefälle, wodurch die Gefällesituation des Platzes ansprechender gelöst werden konnte. Zusätzlich wurden verschiedene Umlegungen von Versorgungsleitungen notwendig.

Kernbestandteil des Platzes ist eine Brunnenanlage sowie die Einbindung eines geborgenen Teilstücks des Römerkanals in die Treppenkonstruktion. Das Brunnenelement bildet den Hochpunkt, von dem über eine Rinne das Wasser in den Römerkanal geführt wird.

Der Bahnhofsplatz wird durch Bäume gegliedert und mit Bänken versehen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Die Anordnung der Bäume und der Möblierung lässt eine große Nutzungsvielfalt zu.

Die Fläche selbst wird mit einem hochwertigen geschliffenen und gestrahlten Betonsteinpflaster mit Natursteinvorsatz gestaltet. Mit der abgesetzten Bänderung ergibt sich das Gesamtbild der Platzanlage. Die unterschiedlichen Verlegearten und Farbgestaltungen setzen zusätzliche Akzente.

Michael Lorse, M.Eng., Abteilungsleiter, Tiefbau- und Infrastrukturplanung