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Bürgerwin(d)park Schleiden – Umsetzung des Planungsrechts für 6 Windenergieanlagen

Der „Bürgerwindpark Schleiden“, erstes Windprojekt der KEVER PBB mbH, dem Joint Venture von KEV Energie GmbH und PE Becker GmbH mit Sitz in Kall, umfasst 6 Windenergieanlagen des Typs Enercon E-101 mit 149 m Nabenhöhe, 101 m Rotordurchmesser und einer Gesamthöhe von 199,5 m.

Kennzeichnend für den Anlagentyp sind ein Dreiblatt-Rotor mit Drehrichtung im Uhrzeigersinn, Einzelblattverstellung, variable Drehzahl und ein getriebeloser Antriebsstrang. Die WEAs haben jeweils eine Nennleistung von 3.050 kW. Der Turm besteht bis zu einer Höhe von 101 m aus 31 Betonringen, 48-30 cm stark, die restlichen 46 m bis zur aufsitzenden Gondel aus 3 Stahlrohren, 6 bis 2 cm stark. Der Außendurchmesser des Turmes beträgt am Fuß 13,20 m und verjüngt sich bis zum Kopf der obersten Stahlrohrsektion auf 3,20 m. Die Betonteile sind im Innern mit 32 durchgehenden Stahlseilen miteinander verspannt, um die Statik des Turms zu gewährleisten.

Anlagenstandort sind landwirtschaftliche Nutzflächen auf der Dreiborner Hochfläche in einer Geländehöhe von rund 525 m ü. NN. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen das Naturschutzgebiet Höddelbachtal und der Nationalpark Eifel.

Die Anlagen wurden nach nur ca. 7-monatiger Bauzeit im Oktober 2014 in Betrieb genommen.

Vorausgegangen war ein, wie üblich bei derartigen Windenergie-Projekten, recht aufwendiges Verfahren zur Schaffung der bauplanungsrechtlichen Grundlagen. Die zugrunde liegende zusätzliche Konzentrationszone für Windenergieanlagen wurde im Rahmen einer 4. Änderung des städtischen Flächennutzungsplans ausgewiesen, begleitet von einer überarbeiteten städtischen Windpotenzialanalyse und den erforderlichen Fachbeiträgen, v. a. zum Umwelt- und Artenschutz. Nach Aufstellungsbeschluss und vorgezogener Behördenbeteiligung im Jahr 2010 wurden 2011 die vertraglichen Grundlagen mit den rund 40 berührten Grundstückseigentümern und Pächtern geschaffen und die Vergabe an einen Träger für die Windparkerrichtung vorbereitet. Das Planverfahren wurde dann zwischen Mai 2012 und Oktober 2013 zum Feststellungsbeschluss durch den Stadtrat geführt. Die Genehmigung der FNP-Änderung durch die zuständige Bezirksregierung Köln erfolgte am 19.11.2013.

Die Konzentrationszonen-Abgrenzung wurde dabei in mehreren Schritten an die örtlichen Abstandserfordernisse und eine möglichst optimale Windpark-Konstellation angepasst und der Zuschnitt letztendlich auf zwei im Zusammenhang zu bewertende Teilflächen von 66 ha Größe reduziert, welche genau die gewünschten Anlagenstandorte umfassen. 

Neben der Vereinigung aller berührten Grundstückseigentümer in einem mit der Stadt geschlossenen Vertragswerk besteht eine weitere Besonderheit des Schleidener Konzeptes in einem auf regionale Wertschöpfung orientierten Beteiligungsmodell. Dabei sollen neben den Grundeigentümern der Parkflächen vor allem die Dorfgemeinschaften der umliegenden, am meisten betroffenen Orte von einem Anteil i. H. v.

30.000 € aus dem Topf der Stromerlöse profitieren, zu verwenden für Dorferneuerungs- und Infrastrukturmaßnahmen. Weitere 90.000 € Bürgeranteil werden in Kultur- und Sportförderung, den Erhalt der Stadtbibliothek u. ä. fließen.

Ferner sollen mit Vorrang den Bürgern der Stadt Schleiden sowie der umliegenden Kommunen finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten am Windpark und dessen Erlösen eröffnet werden, um auch auf diesem Wege einen gewissen Ausgleich für die zweifellos entstehenden Belastungen im Hinblick auf Schallimmissionen, Schattenwurf und Landschaftsbild-Beeinträchtigung zu schaffen.

Beeindruckend sind auch die Daten zur Erschließung des Windparks:

Ab Anfang März 2014 erfolgten Wegebau und Herstellung der Vormontageflächen. Dazu wurden neue Wege und Kranstellflächen in einem Umfang von 23.000 m² geschaffen; hinzu kommen 2.000 m² Wegeverbreiterungen und 7.500 m² Vormontageflächen. Ab Mitte März wurden die Drainagen und Wasserableitungen für die Fundamente angelegt. Der Außendurchmesser eines Fundaments im Boden beträgt rund 24 m, der des sichtbaren Sockels an der Geländeoberfläche 15,4 m, die Höhe bzw. Tiefe ins Erdreich 3,50 m. Bei einer Bodenverdrängung von 1.450 m³ wurden je Stück 950 m³ Beton (C 30/37) und 90 t Betonstabstahl verbaut. Ab Mai 2014 wurden dann 3 km Leitungen im Park sowie 10,5 km Kabeltrasse zum Umspannwerk Hellenthal-Wollenberg verlegt. Der Aufbau der Türme, Gondeln und Rotoren erfolgte zwischen Anfang Mai und Ende September 2014.

Nunmehr soll das rund 32 Mio. € teure Windpark-Projekt bei einer durchschnittlich herrschenden Windgeschwindigkeit von etwa 7,2 m/s in Nabenhöhe eine elektrische Jahresarbeit von prognostiziert mind. 40.000 MWh leisten (ausgehend vom sog. „P90-Wert“ (d. h., mit 90 %iger Sicherheit des Eintritts) und abzüglich aller einzurechnenden Sicherheiten für evtl. Abschaltzeiten und Netzverluste). Die wirtschaftliche Nutzungsdauer wird bei 20-25 Jahren liegen. Rein rechnerisch können mehr als 11.000 Haushalte versorgt und pro Jahr mehr als 28.000 t Kohlendioxyd eingespart werden. Bei nur 6.500 Haushalten, plus Gewerbe- und Industriebetrieben, wird die Stadt Schleiden allein damit (neben anderen bestehenden EE-Projekten) zur Klima-Plus-Kommune.

Rochus Mey, Dipl-Geogr.