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Eifeler unterm sozialen Dach

Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen organisiert konkrete Hilfe fürArbeitnehmer und ihre Angehörigen vorOrt – Unternehmerabend in Kall stieß aufstarke Resonanz – Gründung im Juligeplant – VR-Bank Nordeifel, StadtMechernich und Kreis Euskirchengehören als zertifizierte„Familienfreundliche Arbeitgeber“ zu denVorreitern – Das von dem MechernicherRolf Klöcker geführte Rote Kreuz imKreis Euskirchen und dieStiftung Evangelisches AltenheimGemünd  stehen für Familienhilfe,Kinder- und Seniorenbetreuung zurVerfügung – Weitere Betriebe sollenmitmachen und sich melden

Kreis Euskirchen/Kall – Wer hilft, wenndie Kinder klein und die alten Elterndement sind? Wer passt auf die „Pänz“auf, wenn beide Elternteile berufstätig sind und unplanmäßig auf Geschäftsreise müssen?

Wer kann im Haushalt die ersten Wochen ehrenamtlich anpacken, wenn die Mutternach der Entbindung mit Zwillingen nach Hause kommt? Wer geht einkaufen oderhilft bei Behördengängen, wenn in der Familie aus irgendwelchen Gründen gerade„Land unter“ ist?

Diese und mehr Fragen kann eine Familiengenossenschaft nicht nur beantworten,sie organisiert auch handfeste Hilfe in schwierigen Situationen. Das war Tenoreines Unternehmerabends im Kaller Bürgerhaus, an dem vergangenen Mittwochauf Einladung der VR-Bank Nordeifel eG mehr als 100 interessierte Geschäftsleuteund Vertreter gemeinnütziger Organisationen teilnahmen.

 

 

Drei Experten – die Sozio-Ökonomin ProfessorDr. Jutta Rump, Jürgen Scholz (r.), derGeschäftsführer der FamiliengenossenschaftMünsterland eG, und Bernd Altgen, derVorstandsvorsitzende der VR-Bank Nordeifel, -informierten über die Vorzüge einerFamiliengenossenschaft für Arbeitnehmer undihre Familien, aber auch für die Arbeitgeber.Nur wenn sich die Unternehmer in derländlichen Region als familienfreundlicheArbeitgeber aufstellen, werden sie in Zukunftgute Karten gegen die Abwanderung vonFachkräften in die Städte undBallungsrandzonen haben. Foto: ManfredLang/pp/Agentur ProfiPress

 

Stadt Mechernich durch Silvia Jambor und Ralf Claßen vertreten

Darunter auch Mechernichs Kämmerer Ralf Claßen und Silvia Jambor, dieTeamleiterin Organisation, Personal und EDV in der Stadtverwaltung Mechernich.Mit dabei waren auch Mechernicher Unternehmer wie der frühere StadtverordneteEckhard Böhlke und der Mechernicher Rotkreuz-Vorsitzende undDRK-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker.

Ziel des Abends war die Vorbereitung einer solchen Familiengenossenschaft für dieNordeifel und den Kreis Euskirchen. Die angestrebte Familiengenossenschafterbringt soziale Dienstleistungen, die der einzelne Betrieb für seine Mitarbeiter garnicht durchführen könnte, zum Beispiel auf dem Gebiet der Kinder- undSeniorenbetreuung, Krankenpflege, Haushaltshilfe und dergleichen.

Die Familiengenossenschaft berät nicht nur, sie begleitet, vermittelt und organisiertkonkrete Hilfe. Auch das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen und die StiftungEvangelisches Altenheim Gemünd stehen für Familienhilfe, Kinder- undSeniorenbetreuung zur Verfügung.

Mitglied werden in derFamiliengenossenschaft nicht dieeinzelnen Arbeitnehmer, sondern dieBetriebe treten für ihre Belegschaft demsozial-solidarischen Zusammenschlussbei. Damit steigern sie auch ihr Imageund ihr Ansehen als Arbeitgeber. EinFaktor, der angesichts dramatischweniger werdender Fachkräfte in Zukunftungeheuer an Bedeutung gewinnen wird.Attraktive Arbeitgeber in der Eifel sollendie Abwanderung junger EifelerFachkräfte in die Städte verhindern – undwomöglich neue Mitarbeiter mit ihrenFamilien für die Eifelgewinnen.

 


Die Stadt Mechernich wurde durch KämmererRalf Claßen und Silvia Jambor, dieTeamleiterin Organisation, Personal und EDVin der Stadtverwaltung, vertreten. Mit dabeiwaren aber auch Mechernicher Unternehmerwie der frühere Stadtverordnete EckhardBöhlke und der Mechernicher Rotkreuz-Vorsitzende und DRK-KreisgeschäftsführerRolf Klöcker. Foto: Manfred Lang/pp/AgenturProfiPress

 

Den Prozess angeregt hat die Wirtschaftsförderungsabteilung der Kreisverwaltungvor knapp zwei Jahren. In einer Versammlung mit Unternehmern undBehördenvertretern im Gemünder Kurhaus entstand die Idee zur Bildung eines„Netzwerks Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“. Die Federführung fiel demVorstandsvorsitzenden Bernd Altgen und dessen VR-Bank Nordeifel zu.

Das Institut mit gut 150 Beschäftigten ist bereits seit Jahren als„Familienfreundlicher Arbeitgeber“ zertifiziert. Die Bank gilt bundes- und landesweitals Best-Practice-Modell, also Vorzeigeobjekt. Altgen und andere führendeMitarbeiter der VR-Bank Nordeifel wirken in entsprechenden Arbeitskreisen derDüsseldorfer Ministerien und auch auf Bundesebene mit.

Bis heute haben sich 150 Protagonisten – Firmen, Institutionen, Verbände undbeispielsweise auch Gebietskörperschaften wie der Kreis Euskirchen und +dieStadt Mechernich – dem „Netzwerk Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“angeschlossen. Damit ist man in der Region Nordeifel-Euskirchen weiter alsandere.

Aus dem existierenden Netzwerk heraus, das sich als Interessengemeinschaftsowie als Plattform für den Informations- und Erfahrungsaustausch sowie für dieZertifizierung familienfreundlicher Betriebe versteht, soll nun eineFamiliengenossenschaft gebildet werden, so die Idee von Bernd Altgen und seinenMitstreitern. Eine solche Familiengenossenschaft ist nicht mehr nur Forum derBeteiligten wie das Netzwerk, sondern konkrete Hilfs- und Dienstleisterin für dieangeschlossenen Betriebe.

Zwei Dutzend Arbeitgeber stehen zum Startschuß bereit

Die VR-Bank Nordeifel hatte bereits im Vorfeld des Kaller UnternehmerabendsMitstreiter aus dem „Familiennetzwerk Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“ fürdie Bildung einer Familiengenossenschaft begeistert. Die Veranstaltung im KallerBürgerhaus diente der Überzeugung weiterer Firmenchefs. Maßgebliche Leitergroßer Unternehmen wie Schoeller in Hellenthal, aber auch kleineremittelständische Betriebe wie das Architektur- und Ingenieur-Büro Bernd Beckeraus Kall nahmen an der Veranstaltung teil.

Die federführende VR-Bank Nordeifel eG hatte Professor Dr. Jutta Rump von derFachhochschule Ludwigshafen sowie Jürgen Scholz, den Geschäftsführer derbereits „laufenden“ Familiengenossenschaft Münsterland eG, als Referentengewonnen. Rump gehört zu den 40 führenden Köpfen des Personalwesens und zuden acht wichtigsten Professoren für Personalmanagement im deutschsprachigenRaum.

Beide stellten das Modell „Familiengenossenschaft“ so erfolgreich vor, dass amEnde 20 weitere Unternehmer ihre ausliegenden Rückmeldekarten abgaben, umsich für weitere Qualifizierungsangebote oder direkt als potenzielle Mitglieder für dieFamiliengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen anzumelden. Die Gründung ist fürAnfang Juli geplant, also ist noch Spielraum für andere Betriebe, sich und damitihre Beschäftigten unter das neue soziale Dach zu bringen.

Zusammenarbeit mit bereits „laufender“ Familiengenossenschaft

Es ist keine hundertprozentige Neugründung geplant, man will vielmehr eineZweigniederlassung- die Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen – der bereitserfolgreich arbeitenden Familiengenossenschaft Münsterland eG  mit ihremKnowhow und Management, gründen. Im Kreis Euskirchen soll ein Mitarbeiter vorOrt Ansprechpartner, Organisator und Berater sein, der sich jeweils der Mithilfe inMünster bedienen kann.

 

Über 100 interessierte Unternehmer undInstitutionsvertreter nahmen im KallerBürgerhaus an einem Informationsabend zurBildung einer Familiengenossenschaft im KreisEuskirchen teil, darunter auch Rolf Klöcker(vorne links), der Geschäftsführer des RotenKreuzes im Kreis Euskirchen, und MalteDuisberg (vorne rechts) von der StiftungEvangelisches Altenheim Gemünd. Foto: M.Lang/ProfiPress

 

Jürgen Scholz erläuterte in Kall nicht nur,wie das von der einfachen Beratung überdie Begleitung bis zur Organisation ganzkonkreter Hilfspakete funktioniert. Ersagte den Unternehmern auch direkt,was es kostet. Nämlich 300 Euro im Jahrals Sockelbetrag und dann nochmalzwischen 25 und 975 Euro je nachAnzahl der Beschäftigten imStartstadium. Die Vorzüge der erstenStufe können die Unternehmen jetztschon in Anspruch nehmen. In der erstenStufe steht die Münsteraner Genossenschaft telefonisch beratend den Unternehmen zur Seite.

In der zweiten Stufe, die ab dem 2. Juli 2014 starten soll, erhalten die beigetretenenUnternehmen aktive Unterstützung von dem Mitarbeiter vor Ort sowie derFamiliengenossenschaft Münsterland.

Finanziert wird das Dienstleistungsunternehmen durch jährliche Mitgliedsgebührenvon zehn Euro pro Mitarbeiter und Jahr an. Ein Betrieb mit 25 Mitarbeitern zahltalso 250, ein Unternehmen mit 500 Leuten 5000 Euro Beitrag an dieFamiliengenossenschaft. Erfahrungsgemäß nähmen etwa drei Prozent derBeschäftigten im Jahr die Dienste der Familiengenossenschaft in Anspruch, soJürgen Scholz. Der Aufwand sei also überschaubar, der Nutzen enorm.

„Denn wenn Sie nichts tun“, dozierte Professor Jutta Rump, „dann bleiben dieFachkräfte bald weg“. Sie erklärte klipp und klar, was man volkswirtschaftlich, aberauch betriebswirtschaftlich unternehmen müsse, um einer Unterversorgung desdeutschen Arbeitsmarktes von geschätzten 6,5 Millionen Fachkräften im Jahre2030 vorzubeugen. Das „platte Land“ wie die Nordeifel und der Kreis Euskirchenwären besonders schwer betroffen, wenn die Betriebe nichts unternähmen, um alsArbeitgeber interessanter zu werden.

„Wenn die Eifel nichts tut, wandern junge Fachkräfte ab“

„Die jungen Arbeitnehmer sind wählerisch und sie können wählen, nicht nur, aberauch zwischen Stadt und Land“, so Prof. Rump: „Die Aussicht, in 30 Jahren nochmit denselben Kollegen zusammenzuarbeiten, ist nicht sehr attraktiv.“ Aber in derFamiliengründungsphase seien auch heute für junge Arbeitnehmer Verlässlichkeitund Geborgenheit durch eine Firma, zu der man „stehen kann“, sehr wichtig.

Familienfreundliche Arbeitgeber, die sich nicht schulterzuckend abwenden, wennihre Leute zu Hause Probleme bekommen, sondern helfen, seien beliebteArbeitgeber. Familienpolitik, bei der die VR-Bank Nordeifel in Düsseldorf mitwirktund die sie auch im Kreis Euskirchen zu konkreten Maßnahmen führen soll, sei„heute und in Zukunft ein Teil der Wirtschaftspolitik“, so Professor Rump.

Bernd Altgen hat das früh erkannt und umgesetzt. Er beschäftigt sich bereits seit 20Jahren mit den Auswirkungen der Demografie: „Der altersmäßige Umbau unsererGesellschaft zeichnete sich ab, es war klar, dass wir eine neue soziologischeStruktur bekommen, vor allem bei uns auf dem Land.“

Für den Vorstandsvorsitzenden derVR-Bank Nordeifel erhob sich  frühzeitigdie Frage: „Was werden wir tun müssen,um junge Menschen auch als Fachkräftein der Eifel zu halten – und was werdenwir tun müssen, um zusätzliche Kräftezum Zuzug in die Eifel zu motivieren?Und was müssen wir tun, um die älterwerdende Mitarbeiter gesund undarbeitsfähig zu halten?

Er erkannte: „Die Zeiten gehen in derregionalen Wirtschaft, aber auch in derKommunalpolitik zu Ende, in denen jedernur allein für sich marschiert.“ Das imMärz 2012 gegründete Netzwerk „Familieund Beruf im Kreis Euskirchen“ sei einerster Schritt. Wenn genügendUnternehmen mit genügendBeschäftigten und auch haupt- undehrenamtliche Unterstützer und ihre Organisationen mitmachen, dann sei dieBildung der Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen der nächste.

 


Steuerberater Hajo Heinen (Mitte) hat seinenBetrieb, die mit Niederlassungen inMechernich, Heimbach und Schleidenvertretene Steuerkanzlei Heinen/L‘homme/Weishaupt, bereits als „FamilienfreundlichenArbeitgeber“ von der Bertelsmann-Stiftungzertifizieren lassen. Er wirkte amMittwochabend beim Unternehmerabend inKall auch an der Vorbereitung einerFamiliengenossenschaft Nordeifel-Euskirchenmit. Foto: Manfred Lang/pp/ProfiPress

 

Neben der Gründungsversammlung der Genossenschaft plant das von BerndAltgen und Iris Poth geführte „Netzwerk Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“dieses Jahr noch zwei Informationsveranstaltungen. Dabei wird derKooperationspartner Kreis Euskirchen den so genannten „Pflegekoffer“ vorstellen.In einer weiteren Veranstaltung des Familiennetzwerks informiert die AuditorinAstrid Laudage über die Möglichkeiten für Betriebe, sich als „FamilienfreundlicheArbeitgeber“ von der Bertelsmann-Stiftung zertifizieren zu lassen.

Neben der Gründungsversammlung der Genossenschaft plant das von BerndAltgen und Iris Poth geführte „Netzwerk Familie und Beruf im Kreis Euskirchen“dieses Jahr noch zwei Informationsveranstaltungen. Dabei wird derKooperationspartner Kreis Euskirchen den so genannten „Pflegekoffer“ vorstellen.In einer weiteren Veranstaltung des Familiennetzwerks informiert die AuditorinAstrid Laudage über die Möglichkeiten für Betriebe, sich als „FamilienfreundlicheArbeitgeber“ von der Bertelsmann-Stiftung zertifizieren zu lassen.

Die IHK Aachen und die Handwerkskammer Aachen, die an der Veranstaltung inKall teilgenommen haben, haben die große Chance dieser infrastrukturellenPionierarbeit der VR-Bank Nordeifel erkannt. Fritz Rötting von der IHK und Willi Weber von der Handwerkskammer erklärten noch vor Ort ihre Bereitschaft zurUnterstützung. Beide Institutionen wollen gemeinsam mit der VR-Bank Nordeifel in2014 Veranstaltungen in der Eifelregion durchführen.